[Rezension] Ein anderes Paradies - Chelsey Philpot

1/12/2016





Ein anderes Paradies | von Chelsey Philpot | Verlag: Carlsen | erschienen am 27.11.2015 | Übersetzer: Birgit Schmitz | Hardcover | 400 Seiten | 19.99€ (D) Kaufen?




Zusammen gegen den Rest der Welt, so lautet ihr Motto: Seit Charlotte im Internat St. Anne’s die schillernde Julia Buchanan kennengelernt hat, steht sie vollkommen unter ihrem Bann. Bald lernt Charlotte auch Julias Bruder Sebastian und den Rest der Familie kennen und taucht in eine für sie neue Welt ein: mondäne Partys, ein Sommeranwesen am Atlantik, Ruderregatten. Unausweichlich verliebt sie sich nicht nur in Sebastian, sondern in die ganze Familie, und möchte unbedingt dazugehören – doch die glückliche Fassade trügt … (Quelle: Klappentext)




Ein anderes Paradies gehörte mit zu meinen Lieblingsneuerscheinungen aus dem Carlsen Verlag. Erschienen ist es erst im November, fast schon Dezember, ich hääte mir allerdings mehr gewünscht, dass es im Sommer erscheint denn nicht nur von außen, auch inhaltlich, ist das Buch ein fast schon klischeehafte Sommerlektüre. Ob diese Rezension im Sommer auch anders ausgefallen wäre, das kann ich nicht sagen. Fakt ist aber, dass Ein anderes Paradies mich nicht so sehr begeistern konnte, wie ich es anfangs erhofft habe.

Müsste ich dieses Buch mit etwas anderem Vergleichen, dann würde ich sagen, dass Ein anderes Paradies wie ein fauler Urlaubstag ist. Wir genießen diesen Tag, freuen uns, nicht arbeiten zu müssen, liegen faul in der Sonne und tun einfach nichts. Rückblickend, war es ein schöner Tag aber nicht sehr erinnerungswürdig. Ich liebe den Schreibstil und die tollen Worte, die Chelsey Philpot für ihre Geschichten findet. Ich bin spielend über die Zeilen geflogen. Sie schreibt einfach wunderschön mit einer sonderbaren Mischung aus leichter Lektüre und atemberaubender Worte. Auch die Charaktere waren toll. Ich liebe Charlotte mit ihrer freundlichen und schüchternen Art ebenso wie Julia, die ein wenig exzentrisch ist. Auch die gesamte Buchanan-Familie habe ich direkt in mein Herz geschlossen und ich kann sehr gut nachvollziehen, wieso Charlotte sie in kurzer Zeit so lieb gewonnen hat. Auch das Setting ist perfekt. Der größte Teil der Handlung spielt entweder in St. Anne’s, einem Internat, das mich nur zu sehr an meine Hanni&Nanni Zeit erinnert hat, oder im Sommeranwesen der Buchanans, das auch ein irgendwie magischer Ort ist.

Zählt man die oben genannten Aspekte zusammen, so hat man ein tolles Grundgerüst für eine Handlung und auch wenn Chelsey  Philpots Idee super war, hat mir die Umsetzung leider gar nicht gefallen. Das Geheimnis der Buchanans war mir zu plump und leider schon sehr früh durchschaubar. Dazwischen passieren zwar einige nette Sachen aber die sind alle doch ziemlich langweilig und waren irgendwie nicht nötig. Sie störten den Lesefluss und haben es mir erschwert, das Buch zügig durchzulesen. Dieser Kritikpunkt klingt ziemlich groß und sollte eigentlich dazu führen, dass mir das Buch eher weniger gefällt. Tatsächlich konnten aber Schreibstil, Figuren und Setting sehr darüber hinwegtrösten. Auch die ganze Moral, die hinter dem Buch steckt ist nicht unwichtig und sollte genannt werden. Das Buch erzählt vom Erwachsen werden und sich weiterentwickeln, von all den Hürden, die man nehmen muss, auch wenn man dadurch etwas verliert, auf das man noch lange Zeit schmerzlich blicken wird. Es entsteht eine sonderbare Mischung aus Wärme und Traurigkeit und irgendwie lag das Buch noch eine Weile ganz schwer auf meinem Herzen. Bevor es ganz langsam, leicht davongeflogen ist.


Wie ein fauler Urlaubstag mag die Geschichte an sich schnell vergessen sein aber das Gefühl,  das sie in uns hervorruft, das bleibt noch lange enthalten und so liebe ich Ein anderes Paradies auf eine ganz andere Weise und werde es wohl auch so schnell nicht vergessen.



Ein anderes Paradies vereint all das, was ein gutes Buch haben sollte. Außer eine spannende Geschichte. Dennoch konnten Schreibstil, Charaktere, Setting und die Thematik des Buches überzeugen. Es verdient von mir 4 von 5 Füchschen und ich hoffe, es ist nicht das letzte, was wir von Chelsey Philpot lesen werden. 




Vielen herzlichen Dank an den Carlsen Verlag für das wunderschöne *Rezensionsexemplar.








You Might Also Like

2 Kommentare

  1. Hey Julia,

    ich verstehe dich soooo gut und der Vergleich mit dem Urlaubstag passt sehr gut.
    Vom Geheimnis war ich auch mehr als enttäuscht. Auch für mich war es viel zu einfach darauf zu kommen, dennoch habe ich immer gedacht "das kann nicht alles sein, da muss noch was kommen". Kam aber leider nicht :-(

    Liebe Grüße
    Sandra

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Julia,

    schöne Rezi:) Besonders Chelsey Philpots Schreibstil hast du mit deinen Worten finde ich sehr gut getroffen. Bei mir hat das Buch noch besser abgeschnitten, spannend von der Handlung her ist es zwar nicht, aber ich finde es bewundernswert, wie die Autorin alleine durch die Charaktere und deren Beziehungen untereinander eine Grundspannung doch aufgebaut hat. Und der Vergleich mit einem faulen Urlaubstag ist wirklich passend!

    LG
    Anne

    AntwortenLöschen